Euer Leben hat Gewicht.
Ich bin einzigartig so wie alle anderen.

Knapp 180 Schülerinnen und Schüler folgten am 18. Juni 2008 der Einladung von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt zur Dialogveranstaltung „Euer Leben hat Gewicht“. In zwei Gesprächsrunden diskutierten sie zusammen mit Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, prominenten Gästen und Fachleuten über die Themen Essstörungen, Schönheitsideale und positives Selbstwertgefühl.
Von der Gier nach weniger Gewicht weiß Marie Luise Gunst im wahrsten Sinne ein Lied zu singen. Ganz still wurde es im mit rund 180 jungen Gästen gefüllten Atrium des Bundesgesundheitsministeriums, als die junge Schauspielerin Auszüge aus einem Leben nachspielte, in dem sich alles nur noch um Essen dreht: ihrem Leben. Die Schauspielerin litt an Essstörungen. Heute engagiert sie sich im Kampf gegen den Schlankheitswahn. Aus ihren lebensbedrohlichen Erfahrungen ist das Theaterprojekt „VerDÜNNisiert“ geworden, das sie gemeinsamen mit ihrem Kollegen Jens Hasselmann bei der Veranstaltung "Euer Leben hat Gewicht" vorstellte.

"Essstörungen sind ein oft unterschätztes gesundheitspolitisches und gesellschaftliches Problem. Jeder fünfte Jugendliche im Alter zwischen elf und 17 Jahren leidet bereits unter Symptomen einer Essstörung. Wir möchten im Dialog mit der Öffentlichkeit sowohl das Umfeld als auch die Betroffenen sensibilisieren und stärken“, sagte die Bundesministerin und wies darauf hin, dass Lebensfreude und ein selbstbestimmter, gesundheitsbewusster Umgang mit dem eigenen Körper zusammen gehören. „Ihr seid am schönsten so wie ihr seid. Lasst euch nicht von irgendwelchen falschen Idealen unterkriegen“, forderte sie Schülerinnen und Schüler der sechsten bis zehnten Klasse aus sieben Berliner Schulen auf. Prominente Gäste und Fachleute unterstützen die Bundesgesundheitsministerin dabei.

So erzählte Nye Oakley, Mitglied der Boygroup Lexington Bridge, zusammen mit seinen Bandmitgliedern von der Gefahr, sich durch die künstliche Glamourwelt der Mode und der Medien zum Hungern verführen zu lassen. Auch der 23-Jährige weiß nur zu gut, wovon er spricht: Er selbst litt unter Bulimie und steht nach fünfmonatiger Therapie erst seit kurzem wieder auf der Bühne. „Jeder Mensch ist anders und darauf sollten wir stolz sein, anstatt fragwürdigen Idealen nachzueifern“, sagte die Sängerin und Schauspielerin Jeanette Biedermann und Jessica Wahls von der Gruppe „No Angels“ ergänzte: „Jeder Mensch hat verdient, geliebt zu werden so wie er ist.“

Expertinnen und Experten wie die Ärztin Dr. med. Lisa Pecho vom Verein ANAD e.V., Sigrid Borse vom Frankfurter Zentrum für Essstörungen, Katja Rauchfuß von jungendschutz.net und der Diplompsychologe Hannes Niggenaber, Berater der Jugendzeitschrift Popcorn, wiesen auf die Gefahren der Verharmlosung und Verherrlichung von Essstörungen hin. Sie klärten über Ursachen sowie Symptome auf und gaben den anwesenden Schülerinnen und Schülern Tipps für den Umgang mit Betroffenen. Auf keinen Fall solle man das Problem ignorieren oder verharmlosen, so der übereinstimmende Rat. Besser sei es, eine betroffene Freundin oder einen betroffenen Freund offen darauf anzusprechen und ihm oder ihr zu sagen, dass man sich Sorgen macht, erklärte etwa Sigrid Borse.
An der Diskussion beteiligten sich lebhaft auch Schülerinnen und Schüler. „Es ist kein Wunder, wenn solche Essstörungen zunehmen. Wir werden ja zugeballert mit tollen Bildern von schlanken durchtrainierten Körpern“, so eine Schülerin aus dem Publikum. „Die Bilder in den Magazinen sind ja nicht einmal echt, sondern auch noch retuschiert auf Idealmaße. Das finde ich nicht gut. Dagegen muss man etwas tun“, sagte ein Junge. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt stimmte zu und wies in diesem Zusammenhang auf die Charta hin, die die Initiative „Leben hat Gewicht“ zurzeit mit der Mode- und Modelbranche erarbeitet. Sie soll ein realistisches und positives Körperbild fördern.

Mit einer Tanzeinlage zum Thema beeindruckte das Tanzprojekt „Kribbeln im Bauch“ des Landesinstituts für Schule, Gesundheit und Suchtprävention aus Bremen. An Ständen im Foyer gab Schauspielerin und Moderatorin Gundis Zámbó, aus eigener Erfahrung mit der Problematik vertraut, gesunde Schönheits- und Fitnesstipps. Neben „Kribbeln im Bauch“ und dem Theaterprojekt „VerDÜNNisiert“ informierten hier außerdem die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Initiative für wahre Schönheit, der Berliner Verein Dick & Dünn, die Einrichtung jugendschutz.net, der Hungrig-Online e. V. und die Sarah Wiener Stiftung über ihre Arbeit . Mit dabei war auch Fernsehmoderator Dr. Alfred Biolek. Er warb als Gründungsmitglied der Sarah-Wiener-Stiftung im Gespräch mit Jugendlichen für einen genussvollen, natürlichen Zugang zum Essen.
Auf Postkarten vervollständigten die Schülerinnen und Schüler anschließend die Sätze „Mein Leben hat Gewicht, weil…“ und „Ich finde meine beste Freundin, meinen besten Freund toll, weil…“ So fand sich am Ende der Veranstaltung auf der Pinwand im Atrium auch dieser mit Kugelschreiber verfasste Satz: „Ich habe nette Eltern und nette Freunde. Ich bin einzigartig so wie alle anderen und das ist das Gewicht meines Lebens.“



























